Wie Fouad um Verständnis für Flüchtlinge wirbt

Fouad Kayalie sitzt in seinem Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft an der Gutenbergstraße, das er zu einem provisorischen Atelier umgestaltet hat. In leisem, eindringlichem Ton erzählt er von seinem Leben in Syrien, von den zunehmenden Repressalien durch die Rebellen und die Machthaber, und schließlich von seiner Flucht. Fouad ist Maler, Bildhauer, Bühnenbildner – und er ist Familienvater. Nur zwei Wochen nach der Geburt seiner zweiten Tochter Julia hat er sich entschlossen, seine vierköpfige Familie über die nahegelegene türkische Grenze in Sicherheit zu bringen. Der lange Weg der Flucht hat ihn schließlich nach Münster geführt.
Fouad wurde 1985 in Idlib geboren. Die Stadt wurde im Mai 2015 von den Rebellen erobert. Seither gab es keinen Tag der Ruhe für die Einwohner. Erst vor kurzem ging durch die Nachrichten, dass das örtliche Krankenhaus bombardiert wurde. Ob es nun die Russen oder die Amerikaner waren, die sich in der Folge gegenseitig die Schuld zuwiesen, spielt für die Opfer keine Rolle. Durch diesen Angriff auf ein ziviles Ziel sind nun 40.000 Menschen in der Region von medizinischer Versorgung abgeschnitten.
Doch dies war bei Weitem nicht der einzige Antrieb, aus dieser Hölle zu fliehen und für sich und seine Familie Sicherheit zu suchen. Aufgrund seiner künstlerischen Tätigkeit, die sich kritisch mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzt, und der sehr offenen religiösen Weltanschauung wurde Fouad wiederholt zur Zielscheibe von radikal-islamischen Kräften. Mehr als vierzig Werke wurden kurz vor seiner Flucht vor seinen Augen verbrannt bzw. zerschlagen.
Durch Kunst findet Fouad Wege, um das Leid der Menschen in seiner Heimat und die dramatischen Erlebnisse auf der Flucht für uns ganz ohne Worte nachvollziehbar zu machen. Seine Bilder gehen unter die Haut. Tief verschleierte Frauen, die gefesselt und geknebelt sind, stehen für „die neue Freiheit der Frauen“. Sein eigenes Schicksal zeigt ein Bild, auf dem er in eine Flasche gezwängt wird, eine Hand von oben nähert sich mit dem Korken. Und ein anderes zeigt die Mutter Syrien, die von ihren eigenen Kindern ausgesaugt und misshandelt wird. In einer Ausstellung in der Erphokirche war Fouad kürzlich mit einer Skulptur vertreten, die einen Engel zeigte, der unter der Last, den geschundenen Menschen Halt zu geben, zusammenbricht.
Diese Zeugnisse von den Qualen der Bevölkerung in Syrien und den Entbehrungen auf der Flucht sind berührend. Seine Mitteilungen sind eindringlich und schlagen Brücken zwischen den Betroffenen und den nicht Betroffenen. Damit trägt er zur Verständigung bei, die gerade in der aktuellen Zeit so wichtig ist. Wenn noch keine gemeinsame Sprache den Austausch möglich macht, wird die Kunst zum Vermittler.
Während des libanesischen Bürgerkriegs hat Fouad psychosoziale Betreuung für Flüchtlinge geleistet, die es nach Syrien verschlagen hatte. Jetzt ist er selbst fremd in einem anderen Land und auf die Hilfe seiner Gastgeber angewiesen. Ob er es eines Tages schafft, von seiner Kunst zu leben, oder ob er wieder am Theater arbeiten kann, weiß Fouad noch nicht. Er sagt, er würde auch zurück an die Universität gehen, um seine syrischen Abschlüsse auf dem deutschen Niveau zu wiederholen. Er bemüht sich um Anerkennung, um Integration und um gegenseitiges Verständnis.
Gesucht werden Unterstützer, die Fouad mit Materialien versorgen, damit er weiter seine Bilder und Skulpturen schaffen kann. Da er im Juni eine Ausstellung in der Dominikanerkirche plant, sind aktuell besonders großformatige Leinwände und Farben gefragt. Diese Sachspenden bitte im Büro der Flüchtlingsunterkunft Gutenbergstr. 17 abgeben.

Nachtrag: Fouad und seine Familie haben mittlerweile eine eigene Wohnung bezogen und leben nicht mehr in der Gutenbergstraße.

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