Erste Zwischenbilanz der Fragebogenaktion für die Arbeitsagentur

Es ist auf jeden Fall etwas Positives, Menschen unvoreingenommen zu begegnen. Das funktioniert besonders gut, wenn man nichts über sein Gegenüber weiß. Die Aufgabe, die die Ehrenamtlichen in den drei Unterkünften in Mauritz übernommen haben, ändert diese Situation nun aber plötzlich und auf Dauer. Mit jedem Interview, das wir mit den Flüchtlingen führen, um den ersten Schritt in den deutschen Arbeitsmarkt vorzubereiten, erfahren wir viel über ihre Träume, die Schuldbildung und das Berufsleben in ihren Herkunftsländern.
Da ist der Facharzt für Anästhesie aus Syrien, der dort ein Krankenhaus geleitet hat. Er möchte lieber heute als morgen perfekt Deutsch können, um wieder arbeiten zu können. Seine sechs (!) Umzüge innerhalb von Deutschland haben das bisher nicht möglich gemacht. Wir sprechen mit zwei Elektroingenieuren, einer legt bereits einen Lebenslauf auf den Tisch. Diesen zu erstellen war quasi seine erste Handlung, als er an einem Deutschkurs teilnehmen konnte. Wir treffen zwei Uni-Absolventen, einer hat BWL studiert und einer Jura. Sie möchten erst möglichst schnell Deutsch lernen, ehe sie sich entscheiden, ob sie ihre Abschlüsse hier wiederholen. Zeugnisse gibt es nämlich nicht, alles verbrannt in Idlib/Syrien. Und eine funktionierende Verwaltung, wo man eine Kopie bestellen könnte, gibt es schon lange nicht mehr.
Besonders die jungen Leute sind verunsichert. Das System der „Ausbildung“ ist ihnen unbekannt, in ihren Herkunftsländern lernt der Berufsanfänger durch „learning by doing“. Sie haben Abitur und möchten in Deutschland Büros putzen oder als Bäcker arbeiten. Geduldig erklären wir ihnen, dass sie bessere Perspektiven haben, wenn sie sich auf die Qualifizierungsprogramme des Arbeitsamts einlassen.
Besonders die Frauen haben wir ermuntert, sich für die Arbeitsagentur bzw. das Jobcenter erfassen zu lassen. Neben der jungen Syrerin, die Abitur hat und überraschend sicher erklärt, dass sie eine Ausbildung als Krankenschwester machen möchte, sprechen wir auch mit einer jungen Frau aus Afghanistan. Sie hat, wie so viele Mädchen dort, keine Schule besucht, das haben die Taliban erfolgreich verhindert.
Die Interviews sind eine gute Gelegenheit, um immer wieder zu betonen, wie wichtig es ist, die deutsche Sprache zu beherrschen. Leider sind viel zu weniger der Flüchtlinge bereits in entsprechenden Sprachkursen untergebracht, der ehrenamtliche Unterricht muss diese Lücke schließen. Besonders gut gebildete Bewohner werden wir versuchen, an die Universität zu vermitteln. Dort gibt es entsprechende Einstiegsprogramme, um nach intensivem Sprachtraining eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Hoffentlich finden wir einen Weg, um das Problem der häufig fehlenden Papiere und Bildungsnachweise zu lösen.

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