Ein Rückblick

MAURITZ: Ein Jahr Flüchtlingshilfe – ein Rückblick

Ein Jahr Flüchtlingshilfe in Münster-Mauritz liegt hinter uns, ein Jahr, das uns nicht nur in immer rascherer Folge vor enorme Herausforderungen gestellt hat, sondern auch ein Jahr, in dem wir berührt und sehr dankbar erleben durften, wie groß die Hilfsbereitschaft und insbesondere die Spendenbereitschaft ist und war. Grund genug für einen kurzen Rückblick.

Von Null auf 390

Die erste Flüchtlingsunterkunft in Mauritz wurde im Frühjahr 2015 an der Warendorfer Straße bezogen. Die Betreuung dieser rund 75 Flüchtlinge bildete die Keimzelle der ehrenamtlichen Unterstützung im Stadtbezirk. Bereits im Herbst kamen weitere 100 Flüchtlinge an der Gutenbergstraße hinzu. Im Dezember wurden in einem zweiten Gebäude an der Warendorfer Straße zusätzlich 70 Flüchtlinge untergebracht. Und kurz vor Weihnachten 2015 zogen in Lütkenbeck rund 150 Menschen in ehemalige Britenhäuser ein. Im Sommer 2016 folgte als vierter Standort in Mauritz das Gebäude an der Konradkirche, hier fanden rund 40 Menschen ein vorübergehendes Zuhause. Und im Januar 2017 folgt die Mauritzheide mit Platz für 100 Flüchtlinge.

Enorme Hilfsbereitschaft

Flüchtlingshilfe in Münster ist gelebte Willkommenskultur. Die Hilfsbereitschaft unserer Mitmenschen, ihre Bereitschaft, den neuen Nachbarn auf dem Weg in unsere Gesellschaft zu helfen, ist nach wie vor sehr groß. Und das macht es für jeden Einzelnen etwas einfacher, wenn sich die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen.

Unsere Arbeit finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Natürlich nicht für die Stunden, die wir investieren, sondern für die erforderlichen Ausgaben, um unser Ziel zu erreichen.

Dieses Ziel ist es, die Flüchtlinge dabei zu unterstützen, in ihrer neuen Heimat nicht nur Mitmenschen zu sein, sondern Mitbürger zu werden. Das A&O für die Integration sind Sprachkenntnisse. Ein wesentlicher Anteil der Spenden wurde deshalb dafür verwendet, Materialien für den Deutschunterricht, der durch ehrenamtliche Unterstützer geleistet wird, zu beschaffen. Dazu gehören Lehrbücher, Hefte und Stifte, aber auch eine grundlegende Ausstattung der Lehrräume.

Sprachunterreicht und Sprachkurse haben Priorität

Oft vergehen Monate, bis die Flüchtlinge Zugang zu professionellen Sprachkursen haben. Es gibt nicht nur zu wenige Plätze, auch die Fördergelder des Bundes fließen manchmal wochenlang nicht. Um diese Zeit zu überbrücken, werden durch die Flüchtlingshilfe mittlerweile für besonders förderwürdige Bewohner die Kosten für die ersten Module übernommen. Eine sehr kostenträchtige Entscheidung, die jedoch hilft, sehr qualifizierten und motivierten Flüchtlingen schneller den Zugang zu professionellen Kursen und damit schließlich auch schneller den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Ganz abgesehen davon, dass die Kurse Tagesstruktur schaffen und das Gefühl vermitteln, sich mit etwas Nützlichem zu beschäftigen.

Dank einer Spende von 25 Laptops für unsere Unterkünfte können sich die Flüchtlinge auch in Eigeninitiative am Rechner Sprachlektionen erarbeiten, und etwas später auch Bewerbungen verfassen.

Schultafeln, Fahrräder, Kinderwagen – was alles fehlt!

Die erste Ausstattung der Unterkünfte wird selbstverständlich durch die Stadt gestellt. Aber um darüber hinausgehenden Bedarf unbürokratisch zu decken, konnte die Flüchtlingshilfe wiederholt unterstützen. Ob ein fehlender Herd oder Fahrräder, Spielsachen und Tornister für Kinder oder die Einrichtung für den Aufenthaltsraum – stets wurde dafür gesorgt, dass das Nötigste zur Verfügung steht, um das Leben im neuen Zuhause annehmbar zu gestalten.

Um besonders für die Kleinen und Kleinsten unter den Flüchtlingen etwas Freude zu schenken, wurden außerdem Ausflüge in den Zoo organisiert oder Auftritte eines Clown finanziert. Das Gelächter und die strahlenden Augen waren ein deutliche Zeichen dafür, dass sie so für einige Zeit die schrecklichen Erlebnisse auf der Flucht vergessen konnten.

Nikolausfeiern, Weihnachtfeiern und Besuche der Sternsinger boten Anlass für Groß und Klein, gemeinsam mit den Ehrenamtlichen die hiesigen Traditionen kennenzulernen und Gemeinsamkeiten zu pflegen.

Das Jahr 2015 begann für uns mit einer Unterkunft, für die sich die Flüchtlingshilfe Münster Ost in Mauritz engagierte. Diese Zahl hat sich mittlerweile auf vier erhöht und die Zahl der betreuten Flüchtlinge fast verachtfacht. Diese Herausforderung haben wir angenommen, und die Zahl der Ehrenamtlichen in unserem Netzwerk wächst fast täglich. Eine weitere Unterkunft, die wir im laufenden Jahr zusätzlich betreuen werden, ist bereits benannt. Auch zukünftig werden wir deshalb in ganz erheblichem Umfang auf die Unterstützung durch Spenden angewiesen sein.

Schwerpunkte ändern sich

Nach der Zeit des monatelangen Wartens ist – nicht nur für die Flüchtlinge – einiges in Bewegung geraten. Die Asylanträge konnten endlich gestellt werden, die Bescheide werden zugestellt. Für viele beginnt die intensive Suche nach einer bezahlbaren Wohnung. Ein Unterfangen, das sich oft wochen- und monatelang hinzieht und an den Nerven zehrt.

Viele Flüchtlinge können inzwischen recht passabel Deutsch und nähern sich dem Arbeitsmarkt. Ohne Hilfe versteht jedoch kaum jemand, mit welchem Schulabschluss sich welche Berufe erschließen, welche Qualifizierungsmaßnahmen es gibt und welche die richtige ist, wo eine Ausbildung sich lohnt und wann es sinnvoll wäre, ein Studium zu beginnen oder fortzusetzen.

Wir arbeiten derzeit an Strukturen, um auch eine dezentrale Betreuung nach dem Auszug aus der Flüchtlingsunterkunft anbieten zu können. Denn dass die Kinder weiter eine Hausaufgabenbetreuung brauchen und so mancher Behördenbrief viele Fragezeichen aufwirft, steht wohl außer Frage. Die Arbeit wird also, auch wenn derzeit weniger neue Flüchtlinge nach Münster kommen, nicht wesentlich weniger.

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